Pflegeversicherung

Das Thema Pflege ist ein absolut aktuelles Thema und wird in einer immer älter werdenden Gesellschaft immer mehr Raum greifen.

Daten des Bundesamtes für Statistik belegen, dass jeder Zweite im Alter zum Pflegefall wird. Das heißt, jeder Zweite braucht irgendwann im Leben fremde Hilfe, um den Alltag zu bewältigen. Beim Wäsche waschen, beim Einkaufen, beim Essen und Trinken oder bei der Körperpflege.

Immer mehr Menschen sind sich bewusst, dass sie Vorsorge für die Pflegeabsicherung treffen müssen. Das heißt aber nicht, dass sie dieses auch tatsächlich getan haben, lediglich 43% der Bevölkerung legen tatsächlich finanzielle Reserven für den Pflegefall zurück.

Allzu menschlich ist es, dass man sich nicht gern mit der Vorstellung auseinandersetzt, Im Alter oder durch einen Unfall einmal gebrechlich oder vielleicht sogar bettlägerig zu werden.

Diese Vorstellung ist derart unangenehm, dass die meisten von uns das Thema gedanklich vor sich herschieben. Insbesondere gilt dies natürlich für junge Menschen, für die das Alter noch in weiter Ferne liegt. Aber gerade auch für die jungen Mitmenschen ist die Vorsorge für den Pflegefall wichtig.

Ein Pflegeheimplatz mit qualitativ hochwertiger Pflege ist teuer. Er kostet ca. € 3.200,- bis € 3.500,- im Monat. Was viele dabei nicht wissen, die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt von diesen Kosten nur die reinen Pflegeleistungen. Im Heimplatz sind jedoch Verpflegung und Unterkunft mit inbegriffen.

Wann beginnt Pflegebedürftigkeit?... 

Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftig sind Personen, die auf Dauer, jedoch voraussichtlich mindestens für 6 Monate, infolge von Krankheiten oder Behinderungen durch Verluste, Lähmungen oder Funktionsstörungen am Stütz- oder Bewegungsapparat, Funktionsstörungen der inneren Organe oder der Sinnesorgane, Funktionsstörungen des Zentralnervensystems, Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen, endogene Psychosen und Neurosen und geistige Behinderungen für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens wie 

- Körperpflege: Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Darm- und/oder Blasenentleerung

- Ernährung: mundgerechte Zubereitung oder die Aufnahme der Nahrung

- Mobilität: selbstständiges Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, gehen, Stehen, Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung, hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechsel und Waschen der Wäsche und Kleidung, Beheizen der Wohnung

in erheblichem oder höherem Maße der Pflege bedürfen. 

PFLEGESTUFEN

Die Höhe einiger Leistungen ist nach Pflegestufen gestaffelt. 

Pflegestufe I

Pflegebedürftige der Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.
Der erforderliche zeitliche Hilfebedarf muss im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten betragen, davon müssen mehr als 45 Minuten auf die Grundpflege entfallen. 

Pflegestufe II

Pflegebedürftige der Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.
Der erforderliche zeitliche Hilfebedarf muss im Tagesdurchschnitt mindestens 3 Stunden betragen, davon müssen mindestens 2 Stunden auf die Grundpflege entfallen. 

Pflegestufe III

Pflegebedürftige der Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität täglich rund um die Uhr, auch nachts, der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.
Der erforderliche zeitliche Hilfebedarf muss im Tagesdurchschnitt mindestens 5 Stunden betragen, davon müssen mindestens 4 Stunden auf die Grundpflege entfallen.

Antragstellung

Versicherte erhalten die Leistungen der Pflegeversicherung auf Antrag. Die Leistungen werden ab Antragstellung gewährt, frühestens jedoch von dem Zeitpunkt an, in dem die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. 

Welche Leistungen stehen zur Verfügung?

Aus der Pflegeversicherung werden folgende Leistungen zur Verfügung gestellt:

1. Pflegesachleistung

2. Pflegegeld für selbstbeschaffte Pflegepersonen

3. Kombination von Geld- und Sachleistung

4. Zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen

5. häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson

6. Pflegehilfsmittel und technische Hilfen

7. Anschubfinanzierung zur Gründung von ambulant betreuten Wohngruppen

8. finanzielle Zuschüsse zur Verbesserung des Wohnumfeldes

9. Tages- und Nachtpflege

10. Kurzzeitpflege

11. Betreuungsleistungen

12. vollstationäre Pflege

13. vollstationäre Pflege in Behinderteneinrichtungen

14. Leistungen zur sozialen Sicherung selbstbeschaffter Pflegepersonen

15. Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen

16. Individuelle Pflegeberatung

17. Übergangsregelungen 

Pflegesachleistung

Die Pflegesachleistung erhalten Pflegebedürftige, die im eigenen Haushalt oder im Haushalt, in den sie aufgenommen worden sind, gepflegt werden. Sie umfasst die Hilfestellung bei den regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen in der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung und wird von Pflegepersonen erbracht, die Vertragspartner der Pflegekasse sind. 

Übergangsregelung Häusliche Betreuung

Pflegebedürftige der Pflegestufe I bis III sowie Versicherte in der sogenannten Pflegestufe Null mit Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen, haben bis zum Inkrafttreten eines Gesetzes, dass die Leistungsgewährung aufgrund eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes und eines entsprechenden Begutachtungsverfahrens regelt, im Rahmen ihrer Pflegesachleistung auch Anspruch auf häusliche Betreuung.
Leistungen der häuslichen Betreuung werden neben Grundpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung als pflegerische Betreuungsmaßnahmen vom Pflegedienst erbracht. Sie umfassen Unterstützung und sonstige Hilfen im häuslichen Umfeld.